Info Micheldorf
Micheldorf in Oberösterreich ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Kirchdorf an der Krems im Traunviertel mit 5819 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017). Der zuständige Gerichtsbezirk ist Kirchdorf an der Krems. Geografische Lage Micheldorf in Oberösterreich liegt auf einer Höhe von 465 m ü. A. im Traunviertel. Mit 1604 Metern ist die Kremsmauer die höchste Erhebung. In Micheldorf entspringt die Krems. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 9,1 km, von West nach Ost 8,7 km. Die Gesamtfläche beträgt 50,1 km². 50,5 % der Fläche sind bewaldet, 38,1 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 20 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011 [1] ): Altpernstein (95) Atzelsdorf (141) Eisbach (11) Heiligenkreuz (354) Hilbing (18) Hinterburg (177) Im Himmelreich (8) In der Krems (92) Kienberg (106) Kremsdorf (162) Micheldorf (3299) Oberer Wienerweg (89) Ottsdorf (196) Rinnerberg (7) Schön (216) Seebach (212) Thurnham (79) Unterer Wienerweg (171) Weinzierl (307) Weinzierlerbrücke (118) Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Mittermicheldorf, Obermicheldorf und Untermicheldorf. Nachbargemeinden Bevölkerungsentwicklung 1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 4.870 Einwohner, 2001 dann 5.615 Einwohner. Geschichte Frühzeit: Kelten und Römer Durch die günstige Lage am Talschluss des Kremstales war das Gebiet des heutigen Micheldorf bereits im Paläolithikum und Neolithikum dauernd besiedelt. Ein Siedlungskontinuum von mehr als 4000 Jahren scheint nachweisbar. Funde deuten darauf hin, dass der Humsenbauernkogel nahe der Krems bereits um 2000 v. Chr. dauerhaft besiedelt war. Gegen Ende der Bronzezeit erreichten Illyrer das Kremstal. Auf dem Georgenberg wurde eine mit einem doppelten Wall geschützte Fliehburg errichtet. Die Einwanderung der Kelten dürfte um 400 v. Chr. erfolgt sein. Die Gegend um Micheldorf wurde Teil des Königreichs Norikum. Das Vordringen der Römer bis zur Donau (15 v. Chr.) bedeutete für die Region einen wirtschaftlichen Aufschwung. Einem prähistorischen Straßenzug über den Pyhrnpass folgend, bauten die Römer eine Poststraße nach Ovilava (Wels). Eine der Poststationen an dieser Straße war Tutatio auf dem Gebiet des heutigen Micheldorf, benannt nach der auf dem Georgenberg verehrten keltischen Gottheit Teutates. Mittelalter: Erste Erwähnung Nach dem Rückzug der Römer ließen sich Alpenslawen und später Baiern nieder. Micheldorf wurde Teil des Herzogtums Bayern, und danach Teil der Steiermark. Die Herrschaft der Herzöge von Steyr endete 1254 im Frieden von Buda. Im 10. Jahrhundert berichtete eine Urkunde erstmals von der Existenz eines größeren Dorfes im oberen Kremstal. Im Jahre 1110 wurde Micheldorf erstmals als Michilindorf  urkundlich genannt. Das Wort Michel bedeutet im Mittelhochdeutschen so viel wie ‚groß‘. Die Burg Pernstein wurde 1179 erstmals urkundlich erwähnt. Die eigentliche Besiedlung des oberen Kremstales war im 12. Jahrhundert abgeschlossen. Neuzeit: Sensenerzeugung Ansicht von Micheldorf (2. Viertel 19. Jahrhundert) Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden zuerst im Markt Kirchdorf, später in Micheldorf zahlreiche Sensenschmieden, wodurch sich der Ort zu einem bedeutenden Industriezentrum wandelte. Um 1594 revolutionierte der Micheldorfer Sensenschmied Konrad Eisvogel die Sensenerzeugung, indem er, statt wie bisher das Sensenblatt händisch mit dem Fausthammer auszuschmieden, einen wasserbetriebenen Breithammer einsetzte. Durch diese Innovation, die sich innerhalb weniger Jahre durchsetzte, konnten statt bisher einiger Stück am Tag nun ca. 70 Sensen in deutlich höherer Qualität erzeugt werden. Micheldorf entwickelte sich zum Zentrum der europäischen Sensenindustrie, auf wenigen Kilometern am Oberlauf der Krems reihten sich zeitweise 14 Sensenschmieden aneinender. Die Micheldorfer Sensengewerken-Dynastien errichteten in Folge in ganz Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark Sensenschmieden nach dem neuen Muster bzw. heirateten oder kauften sich in bestehende Schmieden ein. Die 1604 gegründete Kirchdorf-Micheldorfer Zunft war über Jahrhunderte führend in der Herstellung des wichtigsten Exportartikels Österreichs. Für Micheldorfs Sensenschmiede und in weiterer Folge seine gesamte Bevölkerung bedeutete dies einen für die damalige Zeit erstaunlichen Wohlstand. Micheldorf erlebte eine erneute Siedlungstätigkeit. Im 19. Jahrhundert setzte mit dem Niedergang des alten Zunftwesens auch in der Sensenindustrie ein Konzentrationsprozess ein. Caspar Zeitlinger  vereinigte Mitte des 19. Jahrhunderts bereits vier Sensenwerke in seinem Besitz, sein Nachfolger Franz Zeitlinger fünf. Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich von 13 verbliebenen Sensenschmieden an der Krems 10 im Besitz einer einzigen Familie. Dies konnte ihre Stilllegung nicht verhindern, was für Micheldorf eine Phase des langsamen wirtschaftlichen Niedergangs bedeutete. 20. Jahrhundert Micheldorf, Zentrum mit Kaisereiche (um 1900) Nach dem Ersten Weltkrieg wurde musste in Micheldorf 1920 Notgeld ausgegeben werden. Die Geldscheine zeigten die Burg Altpernstein, das Pfusterkreuz und einen Sensenschmied bei der Arbeit, ein in jener Zeit wohl eher seltenes Bild. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs. 1966 stellte das Gradnwerk als letzte der Micheldorfer Sensenschmieden die Produktion ein. In den darauffolgenden Jahrzehnten konnte sich Micheldorf von einer Krisenregion zu einer wirtschaftlich starken Gemeinde entwickeln, die heute zahlreiche Unternehmen beheimatet. Am 13. Mai 1996 wurde Micheldorf zum Markt erhoben. [2] Kultur und Sehenswürdigkeiten Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Micheldorf in Oberösterreich Museen OÖ. Sensenschmiedemuseum: In vier Gebäuden wird die Unternehmenskultur sowie die Arbeits- und Lebenswelt der Sensenschmiede zur Zeit Caspar Zeitlingers gezeigt. Klangwelten: Hier können die Besucher die Klangfarben der Region Pyhrn-Eisenwurzen erleben, z. B. „Stürme im Toten Gebirge“. Bauwerke und Naturdenkmäler Burg Altpernstein aus dem 11. Jahrhundert, später erweitert, im Wesentlichen erhalten, wie sie gebaut wurde. Teile der Burg sind frei zugänglich: die barocke Burgkapelle, das Burgverlies, der Rittersaal Georgenberg, Bergkegel mit einer Tauf- und Hochzeitskirche. Archäologische Funde seit der Keltenzeit. Pfarrkirche in Heiligenkreuz: Ein kleiner spätgotischer Sakralbau, der 1534 geweiht wurde. Das Langhaus  ist einschiffig mit einem Chor mit 5/8-Schluss. Pfusterkreuz: Barockes Schmiedeeisen-Großgrabkreuz der Sensenschmiedefamilie Kaltenbrunner aus dem 18. Jahrhundert. Sengsschmiedroas: Beschilderter Themenweg entlang der teilweise unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Sensenschmieden an der Krems. Alpenbad mit Gradnteich Kremsmauer und Törl Gradnalm Sport Der SMBC Kirchdorf Micheldorf betreibt einen Sportflugplatz für Segelflieger. Regelmäßige Veranstaltungen Der Micheldorfer Georgiritt findet alle zwei Jahre statt. Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Micheldorf liegt an der Pyhrn Autobahn A9 und ist über die Abfahrten Inzersdorf-Kirchdorf bzw. Klaus  erreichbar. Außerdem führt die Pyhrnpass Straße B138 durch Micheldorf. Schienenverkehrsmäßig ist Micheldorf über einen Bahnhof der Pyhrnbahn erreichbar. Unternehmen EMO Extrusion Molding High Tech Extrusion Group ifw Manfred Otte GmbH RIKA – Innovative Ofentechnik GmbH TCG Unitech Systemtechnik Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 31 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen: 16 SPÖ – stellt den Bürgermeister und 2 Vizebürgermeister 7 ÖVP – stellt einen Vizebürgermeister 5 FPÖ 3 Grüne Bürgermeister Bürgermeister ist Bundesrat Ewald Lindinger von der SPÖ. 1. Vizebürgermeister ist Karl Lungenschmid (SPÖ), 2. Vizebürgermeisterin Roswitha Waas (SPÖ), 3. Vizebürgermeister Alfred Hinterwirth (ÖVP). Bürgermeister seit 1850: 1850 Caspar Zeitlinger, Sensengewerke 1861 Mathias Hoislbauer, Bauer 1864 Michael Weinmeister, Sensengewerke 1867 Mathias Hoislbauer, Bauer 1868 Franz Zeitlinger, Sensengewerke 1873 Franz Führinger, Gastwirt 1876 Kaspar Strasser, Gastwirt 1879 Franz Zeitlinger, Sensengewerke 1880 Mathias Tretter, Bauer 1884 Alexander Moser, Sensengewerke 1885 Johann Weyermayr 1887 Johann Schlager, Bauer 1891 Franz Weyermayr, Bauer 1903 Franz Hebesberger, Bauer 1906 Franz Hofinger, Mühlenbesitzer 1909 Franz Hebesberger, Bauer 1912 Franz Hofinger, Mühlenbesitzer 1918 Josef Riesenhuber, Gemeindearzt 1919 Kaspar Strasser, Holzwollerzeuger 1924 Josef Riesenhuber, Gemeindearzt 1929 Michael Oberndorfinger, Gastwirt 1934 Franz Döttlinger, Gastwirt (von der Vaterländischen Front eingesetzt) 1938 Otto Strutzenberger, Schriftsetzer (von der NSDAP prov. eingesetzt) 1938 Johann Berger, Sattler und Tapezierermeister (von der NSDAP prov. eingesetzt) 1945 Leo Mauhart, Bundesbahnpensionist (von der amerik. Militärregierung eingesetzt) 1950 Michael Oberndorfinger, Gastwirt 1955 Franz Zwicklhuber, Arbeiter 1958 Josef Gumpenberger, Mechaniker 1967 Fritz Rubey, Volksschuldirektor 1976 Dieter Heidlmaier, Justizbeamter 1991 Ewald Anton Lindinger, Bundesbahnbeamter (SPÖ) Wappen Blasonierung: Gespalten; rechts in Grün eine silberne, ionische Säule, überhöht von einem goldenen, gleicharmigen Kreuz; links gespalten von Silber und Schwarz mit zwei aufrecht stehenden, mit den Schneiden auswärts gekehrten Pflugmessern (Sech) in gewechselten Farben. Die Gemeindefarben sind Rot-Weiß-Grün. Das Gemeindewappen wurde 1975 von der oberösterreichischen Landesregierung verliehen. Die Säule mit dem Kreuz verweist auf die kontinuierliche Nutzung des Georgenbergs von einem keltisch-römischen Heiligtum über ein frühchristliches Gotteshaus bis zur heutigen Georgikirche, einem Wahrzeichen der Gemeinde. Die Pflugmesser sind das Stammwappen der Jörger, die von 1529 bis 1620 im Besitz von Schloss und Herrschaft Pernstein waren. [3] Persönlichkeiten Ehrenbürger Johann Balthasar Spiegel, 1. Gemeindesekretär von Micheldorf Karl Schiedermayr Max Edlbacher Peter Jakob Denkgott, Pfarrer von Heiligenkreuz Josef Weyermayr Johann Kröpl Heinrich Angermayr Franz Hofinger Raimund Kienmoser, Bezirkshauptmann von Kirchdorf Mark W. Clark, Oberbefehlshaber der amerik. Besatzungstruppen Josef Hofer Anton Müller, Sägewerksbesitzer Pater Josef Stögmüller Dieter Heidlmaier Söhne und Töchter Konrad Eisvogel, Sensenschmied, Erfinder des Breithammers Caspar Zeitlinger (1798–1866), Sensenfabrikant Carl Zeitlinger (1864–1937), österreichischer Mundartdichter Johann Michael Zeitlinger (1803–1860), Sensengewerke Alois Gföllner (* 1928), Politiker Alois Wolf (* 1929), Sprach- und Literaturwissenschaftler Personen mit Bezug zum Ort Johann Palisa (1848–1925), österreichischer Astronom, war häufiger Sommergast in Micheldorf Hans August Freiherr von Hammerstein-Equord (1881–1947), österreichischer Schriftsteller und KZ- Überlebender, lebte und verstarb in Micheldorf Carl Anton Reichel (1874–1944), österreichischer Graphiker und Maler, lebte und arbeitete am Edelhof in Micheldorf Gerardo Reichel-Dolmatoff (1912–1994), österreichischer Anthropologe, verbrachte seine Kindheit am Edelhof in Micheldorf Wilhelm Kienzl (1857–1941), österreichischer Komponist, war oft zu Gast in Micheldorf Anton Bruckner (1824–1896), österreichischer Komponist, war mehrmals zu Gast in Micheldorf und ließ sich auf dem Rücken Carl Zeitlingers auf die Burg Altpernstein tragen Franz Ferdinand von Österreich-Este (1863–1914), österreich-ungarischer Thronfolger, war 1894 Jagdgast auf der Gradnalm Kronprinz Rupprecht von Bayern (1869–1955), lebte auf der Flucht infolge des Umsturzes von 1918 auf der Gradnalm Carl Adam Kaltenbrunner (1804–1867), österreichischer Dichter, beschreibt in mehreren seiner Werke die Micheldorfer Sensengewerken, von denen er abstammt Literatur Franz Neumeyer: Heimatbuch Micheldorf. 1997. Einzelnachweise     Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011      Land Oberösterreich, Geschichte und Geographie ([1])   Herbert Erich Baumert: Die Wappen der Städte, Märkte und Gemeinden Oberösterreichs (4. Nachtrag 1973–1976), in Oberösterreichische Heimatblätter, Heft 1/2, 1977, S. 17–18 (PDF; 3,6 MB)                          
Inzersdorf im Kremstal SchlierbachKirchdorf an der Krems Oberschlierbach Steinbach am Ziehberg   Grünburg Grünau im AlmtalBezirk Gmunden Klaus Molln Bevölkerungsentwicklung Datum Einwohner 1869 3.000 1880 2.871 1890 2.832 1900 2.864 1910 2.968 1923 2.826 1934 3.070 1939 2.777 1951 3.658 1961 3.767 1971 4.269 1981 4.570 1991 4.870 2001 5.589 2009 5.969
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